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Seminare
Anmerkungen zu Ausarbeitung und Vortrag

von Guido Hoogen

Ausarbeitung

Der Betreuer - Das unbekannte Wesen

Die Betreuung des Vortrags ist ein Angebot, daß Sie nutzen sollten. Greifen Sie jetzt zu. Es winken wertvolle Seminarscheine.

Der Betreuer ist ein treues und anhängliches Wesen. Wenn man ihn erstmal kennengelernt hat, wartet er immer treu und brav in seinem Büro darauf, daß ihn Seminaristen besuchen. Kommen sie allerdings nicht, wird er sehr leicht unpäßlich.

Deshalb sollte man zu den folgenden Punkten mindestens bei seinem Betreuer vorsprechen:

  • Nachdem man sich einen Überblick über die Originalliteratur verschafft hat: Absprechen des Schwerpunkts, Klärung von Verständnisfragen. Dies sollte spätestens 6 Wochen vor dem Vortrag geschehen.
  • Viele Betreuer lesen gerne eine Beta-Version der Ausarbeitung (etwa 3 Wochen vor dem Vortrag).
  • In der Woche vor dem Vortrag kann das Folienkonzept durchgesprochen werden.

Wie lese ich die Originalliteratur

Die Ausarbeitung ist keine wörtliche Übersetzung, sondern eine Zusammenfassung der zugrundeliegenden Literaturquellen. Dabei muß man sich - insbesondere in Absprache mit dem Betreuer (typischer Dialog: "Was soll ich denn jetzt machen?") - Gedanken machen, welche Aspekte man in den Vordergrund stellt und welche Punkte der Originalliteratur weggelassen werden.

Die Originalliteratur sollte immer kritisch gelsen werden. Es gibt auch schlechte Literatur, aber die eigenen Ausarbeitung muß dann nicht auch automatisch schlecht sein. Die Quellen dürfen auch kritisiert werden!

In der Ausarbeitung ist eine Ergänzung durch Beispiele und Skizzen oft von Vorteil. Das Finden von eigenen Beispielen ist so wertvoll wie ein kleines Steak. Oftmals werden Beispiele aus der Originalarbeit einfach nur abgeschrieben, aber nicht verstanden.

Was bedeutet Sekundärliteratur?

Unendliche Weiten ... die Informatik-Bibliothek.
Scheinbar endlos erstrecken sich Bücherreihen in verstaubten Regalen. Entdecken Sie neue Lebensformen. Nutzen Sie das Wissen fremdartiger Wissenschaftler. Das einzigartige an dieser Galaxis ist: Sie ist alphabetisch sortiert. Zumindest fast. Wie in jeder Galaxis gibt es auch hier Anomalien und Raumkrümmungen. Lassen Sie sich davon aber nicht beirren. Es kann nur einen geben!

Aufbau der Ausarbeitung

Die Ausarbeitung soll einen Umfang von 15 bis 20 Seiten haben. Offiziell: "Man sollte sich beim Anfertigen der Ausarbeitung in die Situation des Lesers versetzen und in einem leicht verständlichen Stil schreiben." Das heißt übersetzt: "Der Leser ist dumm, und Du weißt es!"

Es ist günstig, den Sachverhalt zuerst informell an Beispielen und Skizzen zu erklären und dann eine formale Beschreibung anzugeben. Die Ausarbeitung sollte wie folgt gegliedert sein:

  • Einleitung
  • Grundlagen
  • Hauptteil in Abschnitte unterteilt
  • Zusammenfassung
Lachen Sie nicht. Es haben sich tatsächlich schon Seminaristen an diese Gliederung gehalten:
Kapitel 1
Einleitung
Kapitel 2
Grundlagen
Kapitel 3
Hauptteil
Kapitel 4
Zusammenfassung
Auf dem Deckblatt sollten der Vor- und Familienname und die Matrikelnummer des Autors, der Name des Betreuers sowie die zugrundegelegte Literatur angegeben sein. Diplom-Informatiker wird übrigens mit "Dipl.-Inform." abgekürzt (siehe DPO), nicht mit "Dipl.-Inf.".

Ich habe ihn gebreakt: Nederlands als freemde Taal

Der gesharte Pointer auf das Array kann in place geupdatet werden.

Die Fachbegriffe lassen sich sicherlich nicht alle eindeutschen. Allerdings sollte man darauf achten, daß der Lesefluß nicht too much gehemmt wird. Häufig entstehen bei der allzu wörtlichen Übersetzung haarsträubende, völlig sinnlose deutsche(?) Sätze. Hier ein paar der schönsten Kostproben:

  • Diese Liste nennt man in der Fachliteratur "Pendling List", da die Tasks zwischen die Liste und den Taskpool der laufbaren Tasks pendeln. (im original: pending list - Liste der wartenden Tasks)
  • Spur behalten während des Vorwärts-Modus der parallelen Ausführungen der Sohn-Prozessoren, die die Goals innerhalb eines paralleln Aufrufs gelesen haben. (im Original: keep track of)
  • Verweise auf Register Vn und überprüfe, ob deren Inhalt grundlegend (ground) ist. (hier wird der Gag gleich mitgeliefert)
  • Falls keine Goals scheduled werden müßen, dh. die Anzahl der zu schedulen Goals im Parcall-Frame ist Null, gehe zum nächsten Befehl, sonst schreibe ein Goal auf den lokalen Goal-Stack.
  • Die Funktion überführt einen Wert in den Monad, indem sie ihn mit dem eingefangenen Status paart.
Seinen Grundkurs Deutsch sollte man auch hin und wieder auffrischen:
  • Man kann, daß ab bestimmter Groesse die Tasks keine Subtasks mehr erzeugen und machen die Arbeit seriell.
  • In imperativen Programmiersprachen muß der Programmierer dafür sorgen, daß das Ergebnis nicht von der Reihenfolge der Ausführung der Befehle abhängt.
  • Graphen sind geeignet (...), weil die Beziehungen (...) durch einen Graphen in geeigneter Weise dargestellt werden können.
  • Schwierig ist es einen Vater zu finden, der das Kind benötigt, da das Kind nicht unbedingt von allen seinen Vätern gebraucht wird.
  • (...) markiert die Task den Knoten mit "VORSICHT - Task am Rechnen".
  • Falls ein globaler Zeiger gelöscht wird, wird vom Zeigergewichtszähler des lokalen Zeigers das Gewicht des globalen gelöschten Zeigers abgezogen.
Damit Sie aber kein allzu schlechtes Gewissen bekommen, auch Wissenschaftler können es oft nicht besser:
  • The single precision assember instructions fpldnlsn and fpldnlmulsn have to be replaced by its double precision instructions fpldnldb and fpldnlmuldb, respectively. (Beschreibung des T9000)

Wahl des Textverarbeitungssystems

Sitzen Sie immer noch alleine vor dem Bildschirm? Haben Sie immer noch nicht das Textverarbeitungssystem ihres Lebens kennengelernt? Soll das ewig so weitergehen? Rufen Sie an: 0190 / 21 23 25!

Eine Seminararbeit ist, gerade im Hinblick auf die Diplomarbeit, eine gute Gelegenheit, sich in ein Textverarbeitungssystem einzuarbeiten.

Die Kill-Option des Betreuers

Die schriftlichen Ausarbeitungen müssen 2 Wochen vor dem Vortrag dem Betreuer in der endgültigen Fassung vorliegen. Punkt. Ansonsten wird der Vortrag gecancelled (siehe auch: Ich habe ihn gebreakt).

Ja, ja, ja!!! Auch ich will abonnieren!!

Die Ausarbeitungen gibt es eine Woche vor dem Vortrag entweder bei dem Vortrag eine Woche vor dem Vortrag, oder, falls eine Woche vor dem Vortrag kein Vortrag ist, im Sekretariat.

Vortrag

Die Vortragsdauer beträgt 60 Minuten. Man sollte bei der Planung des Vortrags aber von 50 bis 55 Minuten ausgehen, da oft durch Zwischenfragen eine Zeitverzögerung, äh... eine Zeitverdichtung eintritt. Zur Unterstützung des Vortrags dienen 2 Projektoren und eine Tafel.

Die Gestaltung der Folien

Bunt.

Eine gewisse Farbdisziplin ist sinnvoll (z.B. grüne Beispiele). Es gab schon Vorträge, da war ein Beispiel blau und auf der nächsten Folie grün, denn "blau wäre langweilig gewesen, das hatten wir ja schon auf der letzten Folie".

Beim Vortrag sollten unnötige Formalismen vermieden werden. Besser ist es in den meisten Fällen, wenn die Sachverhalte an Beispielen erläutert werden.

Die Folien sollten nicht zu voll sein. (max. 12 Zeilen).

Folien und wasserlösliche Stifte werden gestellt. Die Stifte und die sorgfältig gereinigten Folien sind zurückzugeben.

Der Vollständigkeitswahn

Viele Seminaristen werden vom Vollständigkeitswahn heimgesucht. Darunter versteht man den (meist hoffnungslosen) Versuch, den Stoff der Ausarbeitung vollständig in den Vortrag zu packen. Vergeßt es! Meistens ist nach Seite 10 die Zeit aufgebraucht (und die interessanten Sachen stehen meist im hinteren Teil der Ausarbeitung). Daher sollte man Kapitel bewußt ausklammern und unwesentliche Details nicht darstellen. Man sollte immer ein paar Folien "Reserve" haben, die je nach Position im Zeitkontinuum ausgelassen werden können.

Die Hände

In der Regel hat man zwei davon. Während des Vortrags sind sie allerdings meist hinderlich. Sie befinden sich daher vorzugsweise in Hosentaschen oder an statisch geladenen Trennblättern wieder. Ein Teleskopzeigestock bewirkt hier wahre Wunder. Sieh auch [Lynch 90].

Literatur

[Lynch 90]
D. Lynch: Twin Peaks, 1. Staffel, 5. Folge: Special Agent Dale Cooper referiert im Wald über Tibet.
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